Der Erwerb von Wohnungseigentum in Frankreich

Artikel gespeichert unter: Frankreich


Eigentum an Immobilien bezieht sich in Frankreich grundsätzlich auf Grund und Boden sowie die Oberfläche eines Grundstücks sowie auf Gebäude als dessen wesentlicher Bestandteil. Durch die Aufteilung eines Gebäudes in verschiedene Einheiten ist aber auch ein Eigentumserwerb, der auf bestimmte Anteile eines Gebäudes beschränkt ist, möglich.

Wie wird Wohnungseigentum erworben?
Der Erwerb von Wohnungseigentum unterliegt dabei grundsätzlich denselben Vorschriften, die auch sonst für den Kauf von Immobilien gelten. Das Eigentum geht bereits durch den Abschluss des Kaufvertrags über. Durch den Abschluss eines Vorvertrags können bereits verbindliche Verpflichtungen begründet werden. Unter Umständen sind die besonderen gesetzlichen Bestimmungen für den Kauf noch zu errichtender Gebäude oder zum Verbraucherschutz auf dem Sektor des Immobilienerwerbs zu beachten. Bereits im Vorvertrag, aber auch im notariellen Kaufvertrag ist als Besonderheit die Größe der verkauften Einheit anzugeben, andernfalls kann der Käufer diesen binnen einer Frist von einem Monat ab Vertragsschluss gerichtlich aufheben lassen. Eine Abweichung der vertraglichen von der tatsächlichen Fläche zu Ungunsten des Käufers berechtigt diesen zu einer Kaufpreisminderung. Bei Abschluss des notariellen Kaufvertrags ist außerdem eine Erklärung des Verwalters darüber, ob Hausgeldforderungen bestehen, vorzulegen, die nicht älter als einen Monat sein darf. Der Eigentumsübergang wird gegenüber der Wohnungseigentümergemeinschaft durch Mitteilung an den Verwalter wirksam.

Worauf erstreckt sich mein Eigentum?
Rechtsgrundlage für den Erwerb von Wohnungseigentum ist das Gesetz Nr. 65—557 vom 10. 7. 1965. Das Wohnungseigentum führt zum Erwerb von Sondereigentum an einer bestimmten Wohneinheit, die dem ausschließlichen Gebrauch durch den jeweiligen Eigentümer vorbehalten ist.  Sondereigentum kann unter Umständen auch an Kellerräumen oder einer Garage erworben werden. Daneben existieren bestimmte Gebäudeteile, an denen gemeinsames Eigentum aller Eigentümer entsteht und die allen zur Nutzung dienen, wie z.B. Flur und Treppenhaus.

Welche Bedeutung hat die Eigentümergemeinschaftsordnung?
Die Aufteilung sowie auch die Festlegung der Zweckbestimmungen der einzelnen Einheiten erfolgt durch die Teilungserklärung (état descriptif de division). Diese ist notariell zu beurkunden und im Hypothekenregister einzutragen. Sie wird Teil der Eigentümergemeinschaftsordnung, durch die neben den Angaben zu den verschiedenen Einheiten auch Regelungen über die Verwaltung, Organisation der Eigentümergemeinschaft sowie die Kostenverteilung getroffen werden.  Teilungserklärung und Eigentümergemeinschaftsordnung sind für den Erwerber von Wohnungseigentum daher bedeutsam, um Gewissheit über die Möglichkeit der geplanten Nutzung sowie seine Rechten und Pflichten im Verhältnis zur Gemeinschaft zu erlangen.

Gibt es andere Formen des gemeinsamen Eigentums mehrerer Personen  an Immobilien?
Neben dem Wohnungs- bzw. Teileigentum können mehrere Personen auch Eigentum an einer Immobilie als Miteigentümer erwerben. Dabei steht allen Eigentümern gleichzeitig das Eigentumsrecht nach (ideellen) Bruchteilen zu. Dies ist z.B. der Fall, wenn mehrere Personen eine Immobilie als Erbengemeinschaft oder durch einen gemeinsamen Kauf erwerben. Daneben gibt es das sog. Volumeneigentum, das ohne gesetzliche Grundlage von der Praxis für den Erwerb von Anteilen an großen Gewerbeflächen entwickelt wurde. Im Unterschied zum Wohnungseigentum gibt es hierbei kein Gemeinschaftseigentum, jeder „Volumenanteil“ an der Immobilie gilt als eigenständiges Gebäude.

Haben Sie Fragen? E-Mail an das Forschungsinstitut

« Neueste Rechtsprechung zum Thema Kündigung und Vollstreckung     Der Vorvertrag »

Themen

Links

Feeds