Die Bedeutung des Leasehold im Immobilienrecht in Großbritannien

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Das Leasehold hat eine herausragende Stellung in der Praxis des englischen Grundstücksrechts. Die Bezeichnung divergiert, so werden z.B. längerfristige Leases auch als „term of years“ bezeichnet. Obwohl oft auch von Leasehold-Eigentum die Rede ist, wird durch die Begründung einer Lease kein volles Eigentum übertragen. Es handelt sich um ein Rechtsinstitut, das teils dinglichen Rechten entspricht, teilweise aber auch vertraglicher Natur ist. Aus deutscher Sicht kann eine Lease dabei je nach Ausgestaltung im Einzelfall einem Erbbaurecht oder eher einem Miet- bzw. Immobilienleasingvertrag ähneln.

Kennzeichen
Kennzeichnend für die Lease ist, dass ein landlord (meist der Grundstückseigentümer) dem sog. tenant für eine festgelegte Zeit das ausschließliche Nutzungs- und Besitzrecht an einer Immobilie gegen Zahlung eines laufenden Entgeltes überträgt. Die Laufzeit des Vertrages und die Rechtsstellung, die der tenant damit erwirbt, hängen davon ab, zu welchem Zweck die Lease vereinbart wird. Besondere Bedeutung besitzt die Lease z.B. für die Überlassung von Gewerbeimmobilien, aber auch für den Erwerb von Wohnungen.

Leasehold statt Wohnungseigentum
Die Lease ersetzt in Großbritannien überwiegend das Wohnungseigentum. Gegenüber einer Übertragung des Volleigentums bietet die Vereinbarung einer Lease mit langer Laufzeit (z.B. 99 Jahre) den Vorteil, dass im Lease-Vertrag die Benutzung der gemeinschaftlich genutzten Gebäudeteile, wie z.B. Treppenhaus, geregelt werden können. Tenants, die ein Recht aufgrund einer derartigen long term-Lease besitzen, sind Eigentümern im Wesentlichen gleichgestellt. Sie werden auch durch besondere gesetzliche Vorschriften gestützt, z.B. durch ein Recht auf Vertragsverlängerung und ein Vorkaufsrecht ab einer Laufzeit der lease von mindestens 21 Jahren. Beim Erwerb des Rechts an der Immobilie wird in diesen Fällen regelmäßig eine Einmalzahlung in erheblicher Höhe, entsprechend einem Kaufpreis, fällig. Außerdem muss eine Lease mit einer Laufzeit von über drei Jahren in Form eines deeds vereinbart werden; kurzfristige Lease-Verträge sind dagegen formfrei.

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